Intrazelluläre Parasiten
Zelluläre Aspekte der Wirt-Parasitbeziehung
Für intrazelluläre Protozoen oder andere Mikroparasiten sind die Erkennung und der Befall spezifischer Wirtszellen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Parasitierung.
Der erste Kontakt und die stabile Anlagerung ("Adhärenz") an eine Wirtszelle werden durch ein oder mehrere Ligand-Rezeptor-System(e) realisiert, eventuell unter Mithilfe weiterer Wirtsmoleküle wie etwa von Komplementkomponenten.
Beispiel: Zelladhärenzphänomene bei Plasmodien
Plasmodien haben im Laufe ihres Lebenszyklus mehrfach Zellmembranen zu durchdringen. Die Voraussetzung dafür ist ein enger Kontakt zwischen dem jeweiligen Parasitenstadium und der Wirtszelle.
Sporozoit/Hepatozyt:
Die von der Stechmücke injizierten Sporozoiten dringen innerhalb
von 20 Minuten in Hepatozyten (Leberzellen) ein. Diese Habitatspezifität
wird durch eine spezielle Rezeptor-Ligandinteraktion gewährleistet. Dabei
interagiert die Region 2 des Circumsporozoitenproteins (CSP) mit Heparansulfat-Proteoglykan
und Lipoprotein-Rezeptoren auf der Hepatozyten-Oberfläche.
Das CS-Protein, das die ganze Sporozoitenoberfläche mit einer dichten Schicht bedeckt hat, erfüllt scheinbar noch andere Aufgaben. Genveränderte Sporozoiten ohne CSP können ihre Entwicklung in der Mücke nicht abschliessen und verlieren ihre Infektiosität.
Merozoit/Erythrozyt: Merozoiten exprimieren auf ihrer Oberfläche ein Glykophorin-bindendes-Protein (GBP), das an die Sialinsäure des Glykophorins auf der Erythrozytenmembran bindet. Daraufhin dreht sich der Merozoit, bis der Apikalkomplex gegen die Wirtszelle gerichtet ist.
| Infizierte Erythrozyten/Gefässwandendothel: Bei Plasmodium falciparum adhärieren infizierte Erythrozyten im Laufe der Trophozoitenreifung. Im Gegensatz zu anderen Plasmodienarten findet man keine Schizonten im peripheren Blut. An der Interaktion, der so genannten Zytoadhärenz oder Sequestrierung, sind verschiedene Rezeptor-Ligandsysteme beteiligt. Wichtige Liganden sind die Genprodukte der var-Gene und die Familie der PfEMP1-Moleküle, die mit verschiedenen Rezeptoren (so genannten Adhäsinen) auf den Endotheloberflächen interagieren. Die Sequestrierung scheint, neben anderen Faktoren, für die Pathogenese der zerebralen Malaria wichtig zu sein. |
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Strategien der Zellinvasion
| Aktive Invasion:
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Passive Aufnahme:
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Parasiten richten sich in Wirtszellen ein
Sporozoiten
in Hepatozyten:
Das
Circumsporozoitenprotein (CSP) inhibiert die Proteinsynthese der Wirtszelle,
was hilfreich für die Entwicklung der Schizonten erscheint.
Trophozoiten/Schizonten
in Erythrozyten:
Die
kernlose Wirtszelle wird vom Parasiten "eingerichtet". Diese Modifikationen
haben mit der Stoffaufnahme und -abgabe zu tun, die für den Entwicklungsprozess
nötig sind. Die aufgebauten intrazellulären Kompartimente und die
veränderte Zellmembran der Wirtszelle bezeugen dies.
Parasiten
in Phagozyten:
Ein
Überleben in "Fresszellen", welche auf die effiziente Zerstörung
von Mikroparasiten spezialisiert sind, stellt Parasiten vor spezielle Probleme.
Einerseits müssen sie dem Abbau durch lysosomale Enzyme entgehen. Dafür
sind verschiedene Strategien entwickelt worden. Andererseits soll die Wirtszelle
sich "ruhig" verhalten und durch Effektorzellen (T-Helfer 1 Lymphozyten)
nicht mehr aktivierbar sein. Intrazelluläre Protozoen (z.B. Leishmanien),
die in Makrophagen parasitieren, führen zu folgenden Veränderungen
der Zellbiologie der Wirtszelle: Die Produktion von Oberflächenmolekülen,
welche für die Erkennung durch T-Lymphozyten wichtig sind, wird gedrosselt
und es werden spezielle Botenstoffe (Zytokine) von der Wirtszelle produziert,
welche die Aktivität dieser Effektorzellen hemmen.