Chemotherapie
Nach einer Infektion kann eine Chemotherapie erforderlich sein, v.a. dann, wenn man erkrankt. In vielen Fällen wie beispielsweise bei HIV ist eine medikamentöse Behandlung sogar unerlässlich, um die Krankheit zumindest aufzuhalten. Ein Problem stellt dabei die zunehmende Medikamentenresistenz vieler Parasiten dar. Als Konsequent daraus, müssen ständig neue Medikamente entwicklet werden. Eine Möglichkeit, Resistenzentwicklungen zu vermeiden ist die verabreichung von Kombipräpareten. Eine weitere Strategie besteht darin, beispielsweise Antibiotika nur sehr gezielt und nicht unnötig einzusetzen.
Einen kleinen Überblick über die Chemotherapie bei Malaria gibt unser Lernweg Chemotherapie bei Malaria.
Einen Überblick über medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten
unserer Modellparasiten gibt folgende Tabelle:
| Modellparasiten | Chemotherapie |
![]() |
Für
die Therapie werden Kombinationen von meist 2 reverse Transkriptase-Inhibitoren
ev. kombiniert mit einem Protease-Inhibitor verwendet. Damit ist die
Entwicklung von Resistenzen gegenüber Monotherapien viel weniger
häufig. Seit diese Tripeltherapien in westlichen Ländern (teure
Medikamente!) eingesetzt werden, ist die Zahl der AIDS-Todesfälle
stark gesunken. Diese teure Therapie muss allerdings lebenslang fortgesetzt
werden und hat Nebenwirkungen. Für Entwicklungsländer steht
die Produktion kostengünstigerer Medikamente und die Patentrechte
zur Debatte. Neu wird eine Behandlung mit Intervallen (eine Woche mit,
eine Woche ohne Medikamente) erprobt. |
![]() |
Wegen der Besonderheiten des Zellwandaufbaus können nur spezielle Antibiotika eingesetzt werden. Eine längerfristige Kombinationstherapie - um eine Resistenzentwicklung zu minimieren - ist erforderlich. Von der Weltgesundheitsbehörde (WHO) wird empfohlen, nach einer zweimonatigen Kur mit 4 Medikamenten eine viermonatige Behandlung mit Isoniazid und Rifampicin durchzuführen. Die Heilungsrate beträgt etwa 85%. |
![]() |
Penicillin G bleibt das Antibiotikum der Wahl bei Meningokokkenerkrankung. Daneben spielen auch Chloramphenicol und Cephalosporine der 3. Generation wie Ceftriaxon eine Rolle. |
![]() |
Bei
einer kutanen Leishmaniose, die spontan abheilt, ist eine Therapie –
ausser bei der disseminierten Form – nicht nötig. Als Chemotherapeutika
gegen viszerale Leishmaniosen werden Antimonpräparate (Glucantime
oder Pentostam) verwendet, welche jedoch schlecht verträglich sind.
Neue Präparate sind liposomales Amphotericin B und als neuestes
Medikament Miltefosine, das oral eingenommen werden kann. |
![]() |
Wenn die Erkrankung früh diagnostiziert wird,bestehen gute Heilungschancen. Die Therapie hängt vom Stadium der Krankheit ab. Beim 2. Stadium (neurologische Phase) hängt alles davon ab, ein Medikament zu verwenden, das die Blut-Hirn-Schranke überwinden kann, um die Parasiten zu erreichen. Medikamente für das 1. Stadium:
Beide Medikamente sind nicht in der Lage, die Blut-Hirn-Schranke zu durchdringen. Medikamente für das 2. Stadium:
Eflornithin
ist sehr teuer (eine Behandlung kostet etwa SFr. 1000). Um Resistenzen
gegen Melarsoprol begegenen zu können, werden Kombinationen von
Melarsoprol und Nifurtimox eingesetzt. Neue wirksame, untoxische und
billige Medikamente werden dringend gebraucht. |
![]() |
Vorhandene Präparate werden in ihrer gezielten Anwendung optimiert. Artemisinin, das aus der chinesischen Heilpflanze Artemisia annua isoliert wurde, und dessen Derivate u.a. Artemether, Artesunat und Artether, wurden weiterentwickelt und werden im asiatischen Raum gerade bei schweren, lebensbedrohenden sowie bei multiresistenten Malariafällen erfolgreich eingesetzt. Derzeit laufen breit angelegte, von der WHO überwachte Versuche, wie diese wichtigen Therapien in Afrika wirksam eingesetzt werden können. Afrika steht im Brennpunkt, da es nicht nur die grösste Malariabürde zeigt, sondern da in Afrika die Resistenz gegen das günstige Chloroquin bei 30-70% liegt; Chloroquin kann in weiten Teilen zur Behandlung nicht mehr eingesetzt werden. Ausblicke für diese schwierige Situation in Afrika bietet das Konzept der Kombinationstherapie. Damit die vorhandenen Medikamente möglichst lange wirksam bleiben, d.h. sich keine entsprechenden Resistenzen bilden, sollen bekannte, eingeführte Verbindungen mit Artemisinin-Derivaten kombiniert verwendet werden. |
![]() |
Das Mittel der Wahl für die Therapie der Darmbilharziose ist Praziquantel. Seine gute Verträglichkeit und gute Wirksamkeit erlaubt die Behandlung von ganzen Bevölkerungsgruppen. Allerdings sterben nicht alle Würmer ab und eine Neuinfektion wird durch das Medikament nicht verhindert. Wegen der hohen Kosten werden oft nur die Risikogruppen (Schulkinder, gewisse Berufsgruppen) in bekannten Schistosomenherden behandelt. Bei hoher Endemizität sind jährliche Wiederholungen der Chemotherapie nötig. Diese Massnahme hat nur wenig Einfluss auf die Prävalenz der Krankheit, senkt aber die Parasitenlast erheblich, was zu einer verringerten Morbidität führt. Die
Wirkung von Artemisinin gegen Schistosomen der Art S. japonicum haben
chinesische Wissenschafter im Jahre 1980 beschrieben. In den letzten
Jahren haben wir am Schweizerischen Tropeninstitut in Zusammenarbeit
mit Prof. Xiao diese Untersuchungen auf S. mansoni ausgeweitet. Artemeter
hat eine sehr gute Wirkung gegen zwei bis drei Wochen alte Schistosomulae
gezeigt, ist etwas weniger aktiv gegen adulte Würmer. Dies im Gegensatz
zu Praziquantel, welches sehr gut gegen adulte Würmer wirkt, gegen
2- bis 4wöchige Schistosomulae jedoch kaum wirksam ist. Eine Kombination
beider Medikamente hat im Tierversuch eine hohe Wirksamkeit aufgewiesen.
Orale Gaben von Artemeter bei exponierten Personen, die vorgängig
mit Praziquantel behandelt worden sind, zu einer geringeren Wurmlast
durch Reinfektion geführt. |