Kontrollmassnahmen (Ebene 3)

Chemotherapie

Nach einer Infektion kann eine Chemotherapie erforderlich sein, v.a. dann, wenn man erkrankt. In vielen Fällen wie beispielsweise bei HIV ist eine medikamentöse Behandlung sogar unerlässlich, um die Krankheit zumindest aufzuhalten. Ein Problem stellt dabei die zunehmende Medikamentenresistenz vieler Parasiten dar. Als Konsequent daraus, müssen ständig neue Medikamente entwicklet werden. Eine Möglichkeit, Resistenzentwicklungen zu vermeiden ist die verabreichung von Kombipräpareten. Eine weitere Strategie besteht darin, beispielsweise Antibiotika nur sehr gezielt und nicht unnötig einzusetzen.

Einen kleinen Überblick über die Chemotherapie bei Malaria gibt unser Lernweg Chemotherapie bei Malaria.

Einen Überblick über medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten unserer Modellparasiten gibt folgende Tabelle:

Modellparasiten Chemotherapie
HI-Virus

Für die Therapie werden Kombinationen von meist 2 reverse Transkriptase-Inhibitoren ev. kombiniert mit einem Protease-Inhibitor verwendet. Damit ist die Entwicklung von Resistenzen gegenüber Monotherapien viel weniger häufig. Seit diese Tripeltherapien in westlichen Ländern (teure Medikamente!) eingesetzt werden, ist die Zahl der AIDS-Todesfälle stark gesunken. Diese teure Therapie muss allerdings lebenslang fortgesetzt werden und hat Nebenwirkungen. Für Entwicklungsländer steht die Produktion kostengünstigerer Medikamente und die Patentrechte zur Debatte. Neu wird eine Behandlung mit Intervallen (eine Woche mit, eine Woche ohne Medikamente) erprobt.

Mycobacterium tuberculosis

Wegen der Besonderheiten des Zellwandaufbaus können nur spezielle Antibiotika eingesetzt werden. Eine längerfristige Kombinationstherapie - um eine Resistenzentwicklung zu minimieren - ist erforderlich. Von der Weltgesundheitsbehörde (WHO) wird empfohlen, nach einer zweimonatigen Kur mit 4 Medikamenten eine viermonatige Behandlung mit Isoniazid und Rifampicin durchzuführen. Die Heilungsrate beträgt etwa 85%.

Neisseria meningitidis

Penicillin G bleibt das Antibiotikum der Wahl bei Meningokokkenerkrankung. Daneben spielen auch Chloramphenicol und Cephalosporine der 3. Generation wie Ceftriaxon eine Rolle.

Leishmania major/tropica

Bei einer kutanen Leishmaniose, die spontan abheilt, ist eine Therapie – ausser bei der disseminierten Form – nicht nötig. Als Chemotherapeutika gegen viszerale Leishmaniosen werden Antimonpräparate (Glucantime oder Pentostam) verwendet, welche jedoch schlecht verträglich sind. Neue Präparate sind liposomales Amphotericin B und als neuestes Medikament Miltefosine, das oral eingenommen werden kann.

Trypanosoma brucei rhodesiense/gambiense

Wenn die Erkrankung früh diagnostiziert wird,bestehen gute Heilungschancen. Die Therapie hängt vom Stadium der Krankheit ab. Beim 2. Stadium (neurologische Phase) hängt alles davon ab, ein Medikament zu verwenden, das die Blut-Hirn-Schranke überwinden kann, um die Parasiten zu erreichen.

Medikamente für das 1. Stadium:

  • Suramin für T. b. rhodesiense
  • Pentamidin für T. b. gambiense

Beide Medikamente sind nicht in der Lage, die Blut-Hirn-Schranke zu durchdringen.

Medikamente für das 2. Stadium:

  • Melarsoprol: Dieses arsenhaltige Medikament ist ziemlich toxisch. Bis zu 5% der Patienten sterben an einer eventuell durch die Therapie ausgelösten Enzephalopathie.
  • Eflornithin: Mit diesem neueren Präparat hat man bessere Erfahrungen gemacht. Es hemmt die Ornithindecarboxylase, wirkt aber nur bei T. brucei gambiense Infektionen.

Eflornithin ist sehr teuer (eine Behandlung kostet etwa SFr. 1000). Um Resistenzen gegen Melarsoprol begegenen zu können, werden Kombinationen von Melarsoprol und Nifurtimox eingesetzt. Neue wirksame, untoxische und billige Medikamente werden dringend gebraucht.

Plasmodium falciparum

Vorhandene Präparate werden in ihrer gezielten Anwendung optimiert. Artemisinin, das aus der chinesischen Heilpflanze Artemisia annua isoliert wurde, und dessen Derivate u.a. Artemether, Artesunat und Artether, wurden weiterentwickelt und werden im asiatischen Raum gerade bei schweren, lebensbedrohenden sowie bei multiresistenten Malariafällen erfolgreich eingesetzt. Derzeit laufen breit angelegte, von der WHO überwachte Versuche, wie diese wichtigen Therapien in Afrika wirksam eingesetzt werden können. Afrika steht im Brennpunkt, da es nicht nur die grösste Malariabürde zeigt, sondern da in Afrika die Resistenz gegen das günstige Chloroquin bei 30-70% liegt; Chloroquin kann in weiten Teilen zur Behandlung nicht mehr eingesetzt werden. Ausblicke für diese schwierige Situation in Afrika bietet das Konzept der Kombinationstherapie. Damit die vorhandenen Medikamente möglichst lange wirksam bleiben, d.h. sich keine entsprechenden Resistenzen bilden, sollen bekannte, eingeführte Verbindungen mit Artemisinin-Derivaten kombiniert verwendet werden.

Schistosoma mansoni

Das Mittel der Wahl für die Therapie der Darmbilharziose ist Praziquantel. Seine gute Verträglichkeit und gute Wirksamkeit erlaubt die Behandlung von ganzen Bevölkerungsgruppen. Allerdings sterben nicht alle Würmer ab und eine Neuinfektion wird durch das Medikament nicht verhindert. Wegen der hohen Kosten werden oft nur die Risikogruppen (Schulkinder, gewisse Berufsgruppen) in bekannten Schistosomenherden behandelt. Bei hoher Endemizität sind jährliche Wiederholungen der Chemotherapie nötig. Diese Massnahme hat nur wenig Einfluss auf die Prävalenz der Krankheit, senkt aber die Parasitenlast erheblich, was zu einer verringerten Morbidität führt.

Die Wirkung von Artemisinin gegen Schistosomen der Art S. japonicum haben chinesische Wissenschafter im Jahre 1980 beschrieben. In den letzten Jahren haben wir am Schweizerischen Tropeninstitut in Zusammenarbeit mit Prof. Xiao diese Untersuchungen auf S. mansoni ausgeweitet. Artemeter hat eine sehr gute Wirkung gegen zwei bis drei Wochen alte Schistosomulae gezeigt, ist etwas weniger aktiv gegen adulte Würmer. Dies im Gegensatz zu Praziquantel, welches sehr gut gegen adulte Würmer wirkt, gegen 2- bis 4wöchige Schistosomulae jedoch kaum wirksam ist. Eine Kombination beider Medikamente hat im Tierversuch eine hohe Wirksamkeit aufgewiesen. Orale Gaben von Artemeter bei exponierten Personen, die vorgängig mit Praziquantel behandelt worden sind, zu einer geringeren Wurmlast durch Reinfektion geführt.