Kontrollmassnahmen (Ebene 3)

Überträger (Vektoren)

Überträger — auch Vektoren genannt — sind Ektoparasiten, die einen Parasiten von einem Wirt auf den nächsten übertragen und in denen eine Vermehrung und/oder eine Entwicklung stattfindet. Von unseren 7 Modellparasiten werden die 3 Protozoen über Vektoren übertragen:

Modellparasiten Massnahmen zur Expositionsprophylaxe und Vektorkontrolle
Leishmania major/tropica

Leishmanien werden von Schmetterlingsmücken übertragen. Der Schutz vor diesen Vektoren besteht in einer Expositionsprophylaxe, d.h. der Verwendung sehr engmaschiger Mückennetze.

Eine weitere Möglichkeit ist die Bekämpfung der Überträger. Dies geschieht durch den Einsatz von Insektiziden und die Beseitigung von Brutstätten. Aufgrund kurzer Flugdistanzen und hoher Empfindlichkeit gegenüber Insektiziden ist eine periodische Bekämpfung der Schmetterlingsmücken gerade in Städten sinnvoll.

Trypanosoma brucei rhodesiense/gambiense

Tsetse-Fliegen, die Überträger der afrikanischen Schlafkrankheit sind tagaktive, lebendgebärende Stechfliegen. Man schützt sich durch das Tragen von Kleidung und durch die Verwendung von Repellentien.

Im Rahmen von Massnahmen zur Vektorkontrolle wird versucht, die Glossinen durch Versprühen von Insektiziden zu dezimieren. Als wirkungsvoll haben sich auch insektizidbehandelte Fliegenfallen herausgestellt, die durch ihre Farbe und ihren Geruch Fliegen anziehen. Die Technik der „sterilen Männchen“ wird sich bei Tsetse Fliegen kaum bewähren.

Plasmodium falciparum

Plasmodien werden von Anophelesmücken übertragen, die meist in der Dämmerung oder nachts aktiv sind. Einen wirksamen Schutz bieten deshalb insektizidbehandelte Mückennetze (treated bednets). Daneben schützt auch Kleidung, die möglichst viele Hautpartien bedeckt sowie der Einsatz von Repellentien.

In den 50er Jahren wurde von der Weltgesundheitsbehörde ein Programm zur Eradikation der Malaria durch den Einsatz von Massenchemotherapie (Chloroquin) und Insektenbekämpfung (DDT) lanciert. Resistenzentwicklungen auf der Parasiten- wie auf der Mückenseite führten zusammen mit finanziellen Problemen in vielen Gebieten zu einem Misserfolg.
Der Vektorkontrolle, sei es mit Insektiziden gegen adulte Mücken oder mit Umweltveränderungen (z.B. Entwässerung), biologischen Massnahmen (z.B. larvenfressende Fische) oder spezifischen Situationen (z.B. Bewässerungssysteme), kann in spezifischen Gebieten jedoch auch heute eine Rolle spielen.