Ökologie (Ebene 3)

Infizierte Wirte als "Inseln"

Inseln haben in der Ökologie eine grosse Bedeutung, sei es in Form richtiger Inseln wie Hawaii, Galapagos oder Madagaskar und den damit verbundenen Gesichtspunkten wie Überleben endemischer Arten (Lemuren auf Madagaskar) oder Entstehung neuer Arten durch Besetzung freier Nischen (Darwinfinken auf Hawaii oder Meerechsen auf Galapagos). Ein wichtiges Kennzeichen einer Inselsituation ist sicher die Trennung von anderen Inseln oder vom Festland. Diese Barrierefunktion hat zu einem weiteren Bild in der Ökologie geführt, der Verinselung von Populationen. Hier wird ein Anknüpfungspunkt an parasitologische Fragestellungen schon deutlicher, stellen infizierte Wirte doch auch so etwas ähnliches wie Inseln innerhalb ihrer jeweiligen Population dar.

Ein Hauptunterschied ist sicher die Tatsache, dass Wirte in der Regel beweglich sind. Parasiten können davon profitieren - oder auch nicht, je nachdem, wohin sich ihr Wirt bewegt. Dies wird deutlich, wenn man bedenkt, dass die Übertragung massgeblich durch Kontaktraten und damit durch Dichten beeinflusst wird. Bei direkt übertragenen Mikroparasiten wie beispielsweise Neisseria ist die Nettoübertragungsrate oft direkt proportional zur Begegnungsfrequenz zwischen infizierten und empfänglichen Wirten. In Populationen hoher Dichte kommt es häufiger zu Übertragungen als in kleinen Populationen.

Parasiten mit einem indirekten Lebenszyklus wie Plasmodium falciparum sind auch von der Dichte und dem Verhalten ihrer Vektoren abhängig. Begrenzungen bezüglich des Flugweges ihrer Vektoren entsprechen beispielsweise in unserer Inselanalogie der Entfernung zwischen den Inseln. Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt ist auch hier die Dichte infizierter Wirte. Fälle von Malaria in der Reisemedizin, wie sie auch in der Schweiz vorkommen, können in der Regel nicht zu einer Etablierung der Krankheit in Mitteleuropa führen, selbst wenn es sich um den Temperatur-toleranten Erreger Plasmodium vivax handelt, und auch die Vektoren in Form von Anophelesmücken vorhanden sind. Die Dichte infizierter Wirte ist viel zu gering - der Parasit ist in diesem Fall wirklich gestrandet auf einer Insel.