Cross-Talk zwischen Wirt und Parasit

Beispiele gegenseitiger Beeinflussung ("cross-talk" ) auf molekularer Ebene:
Unsere Kenntnisse auf diesem Gebiet sind noch mangelhaft. Bei einem besseren Verständnis wären Ansatzpunkte zur Kontrolle von Infektionen oder Krankheiten denkbar.

Beispiel 1:
Afrikanische Trypanosomen aktivieren CD8-positive Lymphozyten durch den "Trypa-nosome-derived triggering factor" (TDTF). Die daraufhin ausgelöste Produktion von Interferon-gamma steigert die Proliferationsrate der Trypanosomen. Ein Zytokin, ein Regulativ der Wirtsabwehr, wird also vom Parasiten als Wachstumsfaktor verwendet!

Beispiel 2:
Nach der perkutanen Invasion von Trematodenlarven (Zerkarien der Art Schistosoma mansoni) beginnen dermale Endothelzellen damit, Interleukin-7 zu produzieren. Die-ses Zytokin wird bei der B- und T-Zellentwicklung benötigt. Il-7 scheint aber auch für die Schistosomen ein wichtiges Entwicklungssignal darzustellen; in "Il-7-knock-out-Mäusen" wurde ein stark reduziertes Wachstum der Würmer festgestellt.

Der wichtigste "cross-talk" spielt sich zwischen Parasit und Immunsystem ab. Im Laufe der Evolution hat ein Wettrüsten (arms race) stattgefunden. Dabei haben die eukaryontischen Parasiten, im Gegensatz zu den Prokaryonten, dank komplexer Genome bessere Möglichkeiten, den "cross-talk" mit dem Immunsystem des Wirtes aufzunehmen.

Die Parasiten werden also zur Koevolution gezwungen: Eine Selektion von Wirten mit effizienterer Immunabwehr erfordert Anpassungen des Parasiten, wie beispielsweise eine erhöhte Virulenz. Diese erhöhte Virulenz des Parasiten wiederum selektioniert Wirte mit niedriger Empfänglichkeit, d.h. einer besseren Wirtsabwehr.

Dieses Wettrüsten ("arms race") war entscheidend an der Entwicklung eines komplexen Immunsystems beteiligt.

Unempfänglichkeit eines Wirtes
Die erste Barriere ür einen Parasiten ist dabei die Unempfänglichkeit eines Wirtes. Dies kann verschiedene Ursachen haben: Ein wichtiger Faktor ist die angeborene Immunabwehr, die Parasiten an der Etablierung einer Infektion hindert. Zu den weiteren Gründen einer Unempfänglichkeit gehören die physiologische Inkompatibilität, etwa durch Fehlen essentieller Nahrungsstoffe, oder als weiterer Punkt fehlende "Signale" zwischen Wirt und Parasit. Ein adäquater "cross-talk" ist Voraussetzung für die Entwicklung des Parasiten. Als Konsequenz daraus kann man feststellen, dass Unempfänglichkeit nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist: Von Tausenden parasitisch lebender Protozoen sind beispielsweise lediglich rund 20 für den Menschen infektiös.

Ein weiterer Gesichtspunkt zum Thema "cross-talk" sind den Wirt schädigende Wirt-Parasit-Interaktionen. Stoffwechselprodukte und absterbende Parasiten interagieren mit dem angeborenen und adaptiven Immunsystem.

Parasit

Produkte

Folgen

G. lamblia

Proteasen, Lektine, Proteaseinhibitoren

Entzündungsreaktionen der Mukosa, lokale Allergie (nur in Extremfällen), reduzierte Enzymreaktion

P. falciparum

"Endotoxine"



Parasitenmoleküle (eingelagert in Wirtszellmembran)

Fieber, Blutgefässwand-Entzündung (führt zu besserer Zytoadhärenz von infizierten Erythrozyten)

Interaktion mit Gefässendothel (Zytoadhärenz)

A. duodenale

Proteasen von Invasions- und Migrationsstadien

unter Umständen allergische Immunreaktionen

I. ricinus

Antigene im infizierten Speichel

Überempfindlichkeitsreaktionen (Hautallergien)

 


 

 

Wirt-Parasit-Interaktion (Ebene 3)