Erkennung
Die
moderne Genforschung erlaubt, die molekularen Interaktionen zwischen Wirts-
und Parasitengenom — auch als "cross-talk" bezeichnet —
genauer zu analysieren. Ein Ansatz dafür ist die Generierung von "knock-out"-Varianten
bei Wirt oder Parasit, bei denen gezielt Gene ausgeschaltet werden. Dadurch
ist es möglich, die jeweilige Bedeutung eines Gens für die Wirt-Parasitbeziehung
zu analysieren.
Für
den "molekularen Parasitismus" sind sowohl Parasitenrezeptoren für
Wirtssignale als auch Wirtsrezeptoren für Parasitensignale von Bedeutung.
Einige Beispiele aus der neueren Forschung sollen dies veranschaulichen. Dabei
ist zu beachten, dass die vorgestellten Beispiele noch mit Unsicherheiten
in der Beurteilung behaftet sind.
Molekulare
Wirtssignale beeinfussen den Parasiten:
a)
Zystenbildung bei Giardia lamblia:
- Niedrige
Cholesterinwerte in Ileum und Dickdarm induzieren die Zystenbildung, wobei
die molekularen Mechanismen unbekannt sind.
b)
Gametogenese bei Plasmodium falciparum:
- Kürzlich
wurde die Xanthurensäure als wichtiger Gametogenese-aktivierender Faktor
der Stechmücken (neben einem niedrigen pH-Wert) bei in-vitro-Versuchen
entdeckt.
c)
Wirtshormone beeinflussen die Parasitenentwicklung
- Bei
Helminthosen haben oft weibliche Wirte eine geringere Infektionslast als
männliche. Bei gewissen Plathelminthen des Frosches (Polystoma integerrimum)
wird hormonell die Geschlechtsreife des Wurmes mit derjenigen des Wirts
synchronisiert. Die Wurmeier gelangen mit dem Froschlaich ins Wasser, wo
sich eine Larve entwickelt, die Kaulquappen befällt.
Parasitenmoleküle
beeinflussen den Wirt
Jüngste
Untersuchungen haben gezeigt, dass Parasiten wirtsähnliche Zytokine produzieren,
die über Rezeptoren auf Wirtszellen den Wirt beeinflussen. Die Bedeutung
dieser Botenstoffe — man könnte sie als "Parasitokine"
bezeichnen — ist noch unvollständig erforscht.
- Malariaparasiten
produzieren verschiedene Prostaglandine. Insbesondere Trophozoiten und Schizonten
bauen Arachidonsäure zu Prostaglandinen um. Wieweit diese Vorgänge
für die Pathogenese von Bedeutung sind, ist heute noch unklar.
- Metazoen
produzieren Wachstumsfaktoren, v.a. TGF-beta ("Transforming growth
factor), welche ihre Entwicklung kontrollieren. TGF-beta-Gene wurden bei
freilebenden und parasitierenden Nematoden nachgewiesen. TGF-beta-Zytokine
sind überdies wichtige Regulatoren von Entzündungs- und Immunprozessen
bei Vertebraten. Sie wirken in hohen Konzentrationen entzündungshemmend.
Die Immunantwort von T-Helfer-Lymphozyten wird moduliert, d.h. es wird eine
Th2-Immunantwort gefördert. Es werden weniger Entzündungsmediatoren
von Makrophagen und NK-Zellen produziert. Daraus könnte ein Überlebensvorteil
für die Makroparasiten resultieren.